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  • Feste feiern mit Stil

    Lange Sommerabende, offene Türen, gute Drinks – und das perfekte Setting. Denn die schönsten Feste brauchen keinen Anlass, nur Atmosphäre. Vielleicht ein Esstisch, der Geschichten erzählt. Eine Küche, in der das Leben spielt. Oder ein Garten, der nach Aperitivo duftet.       Premium Picknick mit Ferm Living Ob spontane Dinnerparty, Brunch mit Freund:innen oder Feiern im Freien – wir zeigen, wie Design das Gastgebersein nicht nur leichter, sondern schöner macht. Mit ausgewählten Marken, starken Stücken und Ideen, die bleiben. GOOD DESIGNS ONLY Ein gutes Fest beginnt dort, wo sich alle gern niederlassen. Auf Sofas, die Geschichten erzählen. In Sesseln, die einladen statt anstrengen. Und um Tische herum, die mehr können als hübsch aussehen. Lounge – Make yourself comfortable Ob expressive Polster von Bretz , Statement-Pieces von Bullfrog  oder elegante Zurückhaltung von Fasmas  – hier sitzt Design am richtigen Platz. Für Hosts mit Stil und Gäste, die bleiben. Ein absoluter Klassiker, der für lässige Loungeatmosphäre sorgt: Das TOGO von Ligne Roset . Wer hier einmal Platz genommen hat, bleibt gerne sitzen- versprochen. Der Sofaklassiker schlechthin: Togo von Ligne Roset Dinner – Let’s take it to the table Ein Esstisch, der zum Epizentrum des Abends wird? Designs von BoConcept , OneHouse (erhältlich im brand:space ) oder Moebe (erhältlich bei nunido. ) vereinen klare Linien mit wohnlichem Anspruch. Für Dinner, die genauso lang sind wie der Abend – und genauso gut wie die Gesellschaft. KITCHEN PARTY Gäste in der Küche? Immer eine gute Idee. Poggenpohl , next125 und SieMatic beweisen: Küchen sind längst nicht mehr rein funktionale Räume, sondern architektonische Statements – mit klaren Linien, durchdachten Details und jeder Menge Raum für Begegnung. OUTDOOR GATHERINGS Wenn drinnen zu warm wird – wird draußen gefeiert. Mit Design für Terrasse, Balkon oder Garten, das wetterfest und stilsicher zugleich ist. Bei Houe findet ihr für jedes Format die passenden Designs. Ob Dinnerparty im Freien oder Loungeecke für größere Feiern - die dänische Marke verbindet zeitlose Formen mit Premium-Qualität und absolut fairen Preisen. Für den cleverem Schattenwurf sorgen die Markisen von markilux   und mit den Grills von Big Green Egg (erhältlich bei shopster.tv ) ist Fine Dining auch zu Hause kein Problem. GUTER SOUND Mit Soundsystemen von Inklang  kommt audiophiler Anspruch ins Wohnzimmer, auf die Terrasse oder gleich in alle Räume. Klarer Klang, minimalistische Optik, smarte Technik – so klingt Design, das sich hören lassen kann. Für Hausmusik, die Sound und Design zusammenbringt, sind die E-Pianos von Casio perfekt. Klanglich absolut überzeugend und optisch ein Statement. Erhältlich im im brand:space . GUTER GESPRÄCHSSTOFF Und wenn es mal kurz still wird? Einfach in die Runde zeigen. Denn Kunst an den Wänden oder persönliche Erinnerungen in Szene gesetzt geben jedem Raum Tiefe – und jedem Gespräch eine neue Richtung. WhiteWall  bietet gerahmte Kunstwerke und individuelle Prints in Galeriequalität – ob urban, expressiv oder voller Fernweh. Noch Fragen zur Ausstattung für die nächste Einladung? In unseren stilwerk Stores und über unsere Interior Beratun g helfen wir gern – ganz nach dem Motto: we create spaces with character.

  • Feiern als Pflicht

    stilwerk Magazin Kolumnist Bazon Brock schreibt über das Feiern. Das Feiern an sich und das beste Feiern überhaupt: nämlich das gemeinsame Feiern mit anderen.       Foto © Verena Berg Text: Bazon Brock Wir können nicht mehr feiern, weil wir ständig feiern, beklagen viele. In der Tat: Wer sich selbst und seine Aktionsbereitschaft im Disco-Glanz zu feiern glaubt, genießt am Ende nur noch die Erschöpfung als Genuss der bestandenen Anstrengung im Chill-Out. Wer hat nicht die Erfahrung gemacht, wie anstrengend heute Feiern ist? Für viele ist die gefeierte Freiheit von Arbeitszwängen sogar anstrengender als die Arbeit selbst. Unübertrefflich brillant hat ein Fünfjähriger die Erzieherin mit der Frage düpiert: „Tante, müssen wir heute wieder tun, was wir wollen?“     Nichts ist offenbar anstrengender als die Freiheit, die man eigenständig als Möglichkeitsraum auszufüllen hat. Da ist die Eingliederung, ja die Unterwerfung unter Rituale, vor allem das heute entscheidende Ritual der Auslöschung von Individualität im kollektiven Rausch durch Musikbeschallung, tatsächlich ein Beleg für die Unfähigkeit zu feiern.     Wenn ich alltäglich als Konsument die Instant-/Soforterfüllung meiner Wünsche erreichen kann, wird die Sonderzeit der Feier überflüssig. Die tiefgehendste Begründung der Unfähigkeit zu feiern liegt in der Tatsache, dass wir zum Beispiel alle glauben, wir würden uns bei der Einladung zu unserem Geburtstag feiern wollen, anstatt der Kraft, dem Geist oder dem Genius zu huldigen, der uns beseelt. Zu feiern wäre also die Mission, der wir individuell in unserem Leben verpflichtet sind. Wobei diese Selbstverpflichtung zum Teil familiären Bindungen oder ideologischen Ausrichtungen bzw. religiösen Überzeugungen oder beruflichen Zielsetzungen entspricht oder aus ihr abgeleitet sein kann.     Feiern ist also nicht Selbstfeier und schon gar nicht Selbstgenuss bis zur Selbstvergessenheit. Man feiert mit anderen, gerade weil durch deren Anwesenheit die eigene Selbstverpflichtung auf eine Lebensmission bestärkt wird.   Über Bazon Brock Bazon Brock bezeichnet sich gern als Denker im Dienst und Künstler ohne Werk. Er ist emeritierter Professor am Lehrstuhl für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Bergischen Universität Wuppertal, darunter das Institut für Gerüchteverbreitung und eines für theoretische Kunst, das Labor für Universalpoesie und Prognostik, das Büro für Evidenzkritik, das Pathosinstitut Anderer Zustand und die Prophetenschule. Seit 2011 betreibt er die Denkerei / Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen und Maßnahmen der hohen Hand  mit Sitz in Berlin.

  • Die wunderbare Welt der Christine Sun-Kim

    Am Schnittpunkt zwischen Klang, Kunst und Kommunikation: Genau hier setzt die Arbeit der amerikanischen Künstlerin Christine Sun-Kim an. Ähnlich vielschichtig ist auch dieser Artikel, liefert er doch nicht nur einen Einblick in ihre wunderbare Welt, sondern beschreibt auch, was schief gehen kann, wenn eine Journalistin ihr Idol interviewt. © Courtesy of the Artist Christine Sun-Kim Text: Friederike Steinert Manchmal gibt es zwei Möglichkeiten, einen Artikel einzuleiten. Fangen wir mit der klassischen Variante an:   Ein Interview mit Christine Sun-Kim kann nicht mit anderen Interviews verglichen werden. Das liegt nicht nur daran, dass die Herstellung der Skype-Verbindung länger dauert als die Aufhebung der Linearität der Fragerichtung, sondern daran, dass Sun Kim ihre ganz eigene Herangehensweise an die Dinge hat. Ein Beispiel ist ihre Serie Six types of waiting in Berlin . Während andere an dem Tempowechsel, den ein Umzug von New York nach Berlin mit sich bringt, verzweifelt wären, hat sie aus dieser Erfahrung ganz einfach eine Serie, bestehend aus sechs Zeichnungen, gemacht. Darin spiegelt sie die typischen ersten Schritte eines Migranten in Deutschland – wie den Gang zur Einwanderungsbehörde, die Anmeldung bei der Krankenkasse oder Kontoeröffnung in einer Bank – anhand von Musiknoten und dynamischen Zeichen wider und macht Zeit sichtbar. Christina Sun-Kim © Foto Iga Drobisz   Doch zurück zum Interview, in dem ich meine sorgsam vorbereiteten Fragen innerhalb kürzester Zeit über Bord werfen kann. Statt dem vorgegebenen Weg zu folgen, führt mich Sun Kim durch ein wortgewordenes Spiegelkabinett. In dem Prozess knüpft meine Gesprächspartnerin immer wieder an zuvor angesprochene Punkte an, hinterfragt meine Anmerkungen und Behauptungen, bittet um Erklärungen und sorgt so dafür, dass wir immer wieder vom größten auf den kleinsten gemeinsamen Nenner kommen. Ihr scheint es, untypisch für ein Interview, in aller damit einhergehender Ernsthaftigkeit, um gegenseitiges Verstehen zu gehen. Auch in ihrer Arbeit geht es immer wieder um Kommunikation – und den Schwierigkeiten, die damit verbunden sind. Was sie umtreibt, sind oft die „Nuance n von Missverständnissen oder Sprachnuancen und Zwischentöne innerhalb von Kommunikation“, erzählt sie mir.   Und damit wären wir am Ende einer klassischen Artikeleinleitung; gehen wir aber an diesem Punkt noch einmal zurück auf Start,   könnte man den gleichen Artikel auch mit folgender Einleitung beginnen:   Oft wird man davor gewarnt seine Idole zu treffen. Bis jetzt habe ich geglaubt, dass das ein typischer Fall von viel Lärm um nichts ist. Dass die Warnung durchaus Berechtigung hat, weiß ich seit diesem Mittwochnachmittag im Oktober. Für diesen Tag ist ein Interview mit Christine Sun Kim in meinem Kalender eingetragen – sie ist eine meiner liebsten Künstlerinnen und seit Jahren immer wieder ein wichtiger Referenzpunkt für mich. Ich habe mich dementsprechend noch einmal eingehend mit der Künstlerin und ihrem Werk befasst. Am Ende des Tages bin ich trotz alledem kein Stück auf das vorbereitet, was passiert: Die Künstlerin macht aus dem Interview kurzerhand ein Zwiegespräch, das meine Improvisationsgabe immer wieder auf die Probe stellt. Damit, dass ich meiner liebsten Künstlerin erklären muss, wie ich zu meinen Einsichten über ihre Arbeiten gekommen bin – und damit, dass ich mit meinen Ansichten teilweise auf offensichtlichen Widerstand stoße – habe ich nicht gerechnet.   In ihrer Installation Game of Skill 2.0 konnten die Besucher einen von Christine geschriebenen Text hören – allerdings nur, wenn sie eine für das Projekt installierte Vorrichtung, die an einen Parcours durch die Galerie verknüpft war, richtig hielten. Während des Interviews kommt es mir so vor, als ob das Leben die Kunst imitiert. The Sound of Obsessing, Set Titel The Sound of Non-Sounds, 125x125cm, Charcoal on paper 2017, Foto © Rubin Museum | David de Armas Tanz-Video mit MIT Media Lab und Choreographin Karole Armitage, Fotos © Tate Tullier   Für mich wird auch das Schreiben dieses Artikels zu einer Kraftprobe. Ich denke immer wieder über die Möglichkeiten und das Versagen von Kommunikation nach und versuche damit umzugehen, dass ich gerade diesen, für mich so wichtigen, Artikel nicht in Sätze packen kann. Klingt ja auch fast wie ein Witz, dass meine Möglichkeiten der eloquenten Kommunikation in der Sekunde versagen, in der ich mit einer Künstlerin spreche, die die Grenzen ihrer eigenen Kommunikationsmöglichkeiten immer wieder überschreitet. Während die erste Deadline verstreicht, denke ich auch immer wieder daran, was sie gesagt hat, als wir über das Versagen als Künstler sprechen. Ihre Ansicht: „Wenn es nicht funktioniert, ist das in Ordnung, das ist irgendwie der Sinn von Kunst“. Mit diesen Worten im Ohr schreibe ich die x-te Variante des Artikels. Eines Artikels, der ungewöhnlich spät im Text erklärt, wer die Dame eigentlich ist und was sie macht:   Christine Sun Kim wurde 1980 als Tochter koreanischer Eltern in Kalifornien geboren. Ausgestattet mit einem Master in Kunst und einem in Sound & Music umfasst ihr  bisheriges Oeuvre Zeichnungen, Performances, Installationen und Keramikarbeiten. Ihre Kunst wird nicht nur in ihrer Heimat in renommierten Museen wie dem New Yorker Museum of Modern Art ausgestellt, sie findet weltweit Anklang. So wurden ihre Arbeiten bereits in der Tate Modern und auf der Art Basel sowie in unzähligen Galerien, von Melbourne bis Seoul, gezeigt.   Darüber hinaus ist die Kunst von Christine Sun Kim genauso vielschichtig und schwer zu erklären, wie es der verschwommene Bereich zwischen Verständnis und Missverständnis ist. Sie ist zeitgleich subtil und klar, lässt einen staunen und schmunzeln und schafft es, dem Betrachter das überhaupt nicht lachhafte Gefühl zu geben, mit seinen Stärken und Schwächen ein wichtiger Teil dieser Welt zu sein. Ich bezeichne ihre Kunst oft als emphatisch, ein Begriff, der mir sonst nicht oft einfällt, wenn ich an Kunst denke; es ist einer der Gründe, warum ich sie vorgeschlagen habe, als ich an das Wort Wunder, das dieser Magazin-Ausgabe zu Grunde liegt, gedacht habe. Bild 1: Game of Skill 2.0 Konzept Christine Sun Kim Electronic Instrument Designer Levy Lorenzo MoMA PS1, New York Foto © Pablo Enriquez  | Bild 2: Game of Skill 2.0 Foto © H. Paul Moon | Bild 3: Sitting in an Immigration Office’s Waiting Room Set Titel Six Types of Waiting in Berlin 50x65cm, Charcoal on paper 2017 © Courtesy of the Artist Christine Sun-Kim Doch das ist noch nicht alles, was Christine Sun Kim so besonders macht. Im Gegensatz zu anderen Künstlern, die sich hauptsächlich   und immer wieder mit Sound, Klängen und musikalischen Noten und Zeichen befassen, ist Christine gehörlos geboren. Als wir an einem Mittwochnachmittag skypen, bin ich in London, Christine in Berlin und Beth Staehle, ihre Dolmetscherin, schaltet sich aus Brooklyn zu. Bevor ich die erste Frage gestellt habe, gibt es also schon eine weitere, eine ungewohnte Ebene: Beth. Während sie ihren morgendlichen Kaffee trinkt, erzählt sie uns, wie sommerlich warm es in New York noch ist, danach verblasst die New Yorker Erzählebene – die Stimme von Beth und das Bild von Sun-Kim, das gesprochene Wort und die Gebärdensprache, verschwimmen und werden zu einem großen Ganzen. Christine erklärt diese Zusammenarbeit folgendermaßen: „Dolmetscher haben ihre eigene Persönlichkeit. Heute färbt Beth meine Stimme, die anderen Dolmetscher, mit denen ich arbeite, beeinflussen meine Stimme auf ihre Art und ich finde dieses Gefühl des sich etwas Ausleihens interessant. Ich leihe die Identität einer Person oder ich leihe ein System oder ich leihe eine Stimme.“   Ein Teil der Faszination, die ihre Arbeit ausmacht, entsteht aus diesem Zusammenspiel zwischen Bekanntem und Unbekanntem, zwischen wiedererkennen und neu entdecken. Der Twist, der ihren Arbeiten, egal wie unterschiedlich sie sein mögen, innewohnt, ist und bleibt dabei der Gleiche: Die Erfahrung des hörenden Betrachters ist der Erfahrung der Künstlerin exakt entgegengesetzt. Sie schafft die Gratwanderung zwischen Kunst, die nur durch ihre Biographie so entstehen kann und Kunst, die offen interpretierbar ist. Darauf muss man als Betrachter erstmal kommen. Christine Sun-Kim schafft mit ihrer Kunst Brücken, die sich an den Betrachter anzupassen scheinen.   Doch wo Brücken sind, gibt es auch Hindernisse, die überwunden werden müssen, und eins dieser Hindernisse bringt mich ins Straucheln:   Als ich ganz selbstverständlich davon spreche, dass sie Welten erschaffe, stoße ich auf Widerstand. Sie mag die Idee nicht, so viel ist klar. Was mir zunächst nicht ganz so klar ist, warum dem so ist. Erst  am Ende des Interviews stoße ich auf die Antwort: „Ein Cousin von mir hat mich mal Folgendes gefragt: ‚Gehörlos sein, das bedeutet, dass du als Fremde verschiedene Länder besuchst, ist das so? Du suchst diese Orte auf und folgst der dort gängigen Kultur und den Gebräuchen‘ und ich habe gedacht: ‚Ja, so fühle ich mich‘. Ich besuche vielleicht nicht andere Welten, ich habe das Gefühl, dass ich Teil der Welt bin, ich kommuniziere nur auf eine andere Art.“   Wie in ihrem gerade fertig gestellten neuesten Projekt, einem Tanzvideo. Darin verschwimmen die Grenzen zwischen Gebärdensprache und Tanz. Die Kollaboration mit der Choreographin Karole Armitage ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Kreativität von Christine Sun Kim keine Grenzen kennt und dass Kommunikation in vielerlei Gestalt daherkommen kann – und dass Kunst die Grenzen des Möglichen und des Unmöglichen verwischen und manchmal sogar wegfegen kann.   Irgendwann im Interview und eigentlich nur als Nebensatz in die Unterhaltung geworfen, meint sie, dass sie eine riesengroße Stimme hätte, dass alles was fehlen würde, der angeschlossene Klang sei. Es ist ein Gefühl, dass jeder kennt. Ein Gefühl, das mich fast dazu gebracht hätte, diesen Artikel nicht fertig schreiben zu können, eine Realität, die Christine Sun Kim nicht daran hindert, trotzdem neugierig und interessiert durch die Welt zu gehen. Etwas, das dafür sorgt, dass ich, wenn ich könnte, am liebsten morgen wieder mit ihr skypen würde.

  • À table mit Nuria Val

    Die dänische Marke FERM LIVING hat sich mit Fotografin und Content Creatorin Nuria Val zusammengetan und mitten in der spanischen Landschaft unter freiem Himmel ein Tisch Setting gestaltet. Inspiration für einen lauen Sommerabend satt. Foto © Ferm Living Inmitten der kargen Weite der spanischen Landschaft entsteht ein Tischbild, das mehr erzählt als Worte – gestaltet von Nuria Val in Zusammenarbeit mit FERM LIVING. Jede Komposition ist ein leises Statement: intuitiv gedeckt, tief empfunden, inspiriert von Ort, Stimmung und dem Wunsch nach Entschleunigung. Das gemeinsame Essen wird hier zur Geste – und jedes Gedeck zum Spiegel eines Lebensgefühls, das Schönheit im Ungeplanten sucht. Was bringt ein schön gedeckter Tisch zum Ausdruck, noch bevor ein einziges Wort gesprochen ist? Nuria Val: Ein schön gedeckter Tisch zeugt von Sorgfalt und Intention. Er bringt zun Ausdruck, dass jemand sich die Zeit genommen hat, einen bedeutungsvollen Moment zu schaffen. Für mich ist ein gedeckter Tisch ein Zeichen von Großzügigkeit - eine Einladung zum Entschleunigen, zum Teilen und dazu, wirklich anwesend zu sein. Ein Ort, wo man sich wie zu Hause fühlt, ohne dass ein Wort gesprochen wird. Kannst du dich an einen Moment erinnern, in dem der gedeckte Tisch die Dynamik der Mahlzeit verändert hat? N.V.: Ich habe einmal einen sehr einfachen, rustikalen Tisch im Freien gedeckt, kurz nach einem leichten Sommerregen, mit frischen Zweigen, Leinen und bunt zusammengewürfelten Keramikobjekten. Es war so schlicht und schon zugleich, und die Frische und Einfachheit des Tisches veränderte die ganze Atmosphäre. Wenn dein Tisch eine Geschichte mit deinen Gästen erzählen könnte, wie würde diese lauten? N.V.: Ich würde wollen, dass er eine Geschichte der Verbundenheit erzählt: zwischen den Menschen, die beisammen sind, zwischen uns und der Erde, auf der die Zutaten gedeihen, zwischen den menschlichen Händen und den gefertigten Objekten. Eine Geschichte, in der sich Schönheit unbeschwert, unvollendet und lebendig anfühlt. Hältst du dich an bestimmte Regeln oder folgst du einfach deinem Instinkt, wenn du eine Tischdekoration gestaltest? N.V.: Meine Intuition leitet alles. Ich plane selten ein Tischgedeck im Voraus. stelle die einzelnen Dinge um, füge spontan etwas hinzu und folge eine Rhythmus, den ich eher spüre als sehe. Sehr gerne bringe ich auch saisonale Gemüse- und Pflanzenarten in das Arrangement ein. Wie beeinflusst die Landschaft um dich herum die Art und Weise, wie di einen Tisch deckst? N.V.: Wenn ich in Spanien lebe, vor allem in Meeresnähe, bin ich von warmen Erdtönen, rauen Texturen und unglaublich natürlichem Licht umgeben.Diese Elemente finden immer ihren Weg auf meinen Tisch: natürliches Leinen, Terrakotta, sonnengebleichtes Holz und ganz einfache Wildblumen. Die spanische Landschaft strahlt eine entspannte Eleganz aus, die ich versuche widerzuspiegeln. Hast du jemals ein Tischgedeck um ein einzelnes Detail oder Objekt herum gestaltet? Worum ging es dabei und warum hat es dich angesprochen? N.V.: Ich habe einmal ein ganzes Tischgedeck mit frischen Zitronen und Rosmarinzweigen gestaltet. Mich begeisterte ihre Einfachheit und Lebendigkeit. Die Farben, der Duft, die Beschaffenheit. Es fühlte sich so lebendig an und erdete wirklich.   Gibt es ein Detail, das so dezent ist, dass es nur dir auffällt, du es aber trotzdem immer einbeziehst? N.V.: Immer. Oft lege ich einen Zweig von etwas Aromatischem - Rosmarin, Thymian oder einen einzelnen Olivenzweig - neben jeden Teller. Es ist ein winziges, fast unscheinbares Detail, aber es schafft durch den Duft eine Atmosphäre, die das Erlebnis in etwas Sinnlichem und Wirklichem verankert. Wie setzt man bei der Gestaltung eines Tisches Kontraste ein? N.V.: Kontraste sind alles. Es fasziniert mich, strukturierte, glatte Keramik auf grobes Leinen zu stellen oder ein Wildblumenarrangement in einer minimalistischen, modernen Vase zu platzieren. Dieser Gegensatz zwischen Ordnung und Spontaneität erweckt einen Tisch zum Leben, genau wie in der Natur.   Kann ein Tisch eine Art Selbstporträt sein? Wenn ja, was verrät deiner im Moment? N.V.: Definitiv. Im Moment zeigt mein Tisch eine Sehnsucht nach Authentizität und einem langsameren Lebensrhythmus. Das Gedeck ist ein wenig wild und ein bisschen unvollkommen - aber voller Wärme. Wie ich selbst ist es auf der Suche nach echten Verbindungen, nicht nach Leistung - eine Ode an die mediterrane Lebensart. Welche Elemente sind für deine Tischdekoration im Freien unverzichtbar geworden, und wie schaffst du es, dass sie mit der Natur im Einklang sind? N.V.: Der Dapple Esstisch hat eine sanfte, natürliche Ausstrahlung und sein helles Cashmere wirkt beruhigend und einladend und bietet für jede Art von Umgebung eine neutrale Kulisse. Seine sanften Kurven und seine taktile Oberfläche verleihen ihm Wärme und organische Eleganz. Mir gefällt auch die Idee, die Dapple Bank mit den Dapple Esszimmerstühlen zu kombinieren, um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Ich habe mich für die Muro Vase in Bernstein entschieden, weil ihr warmer, erdiger Farbton und ihre organische Form perfekt zu den natürlichen Strukturen meines Tisches passen.Auch die Erena Schale, die Erena Servierglocke, der Erena Servierteller und die Erena Servierschüssel bringen mit ihren eleganten konischen Formen und dezenten Glasuren einen Hauch von mediterraner Wärme und zeitloser Raffinesse ein. FERM LIVING findet ihr im stilwerk bei nunido.

  • NEW IN: Bullfrog

    WohnArt präsentiert ab sofort die fränkische Möbelmanufaktur Bullfrog mit eigenem Store im stilwerk Hamburg. Die fränkische Polstermanufaktur Bullfrog feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum. Wie passend, dass WohnArt die Marke seit Kurzem in einem neuen Monobrandstore im stilwerk Hamburg präsentiert. Good to know: Bis zum 25. August erhaltet ihr 13 Prozent Rabatt  auf die gesamte Kollektion.  ÜBER BULLFROG Was die Marke ausmacht? Die Freude am Produkt, das stetige Vorwärtsgehen und die Lust neue Dinge zu schaffen. Das Streben nach Freiheit und eigenen Entscheidungen steht bei Bullfrog im Mittelpunkt aller Überlegungen. Wir entwickeln und stellen ein Produkt her, das für die Menschen, die es kaufen, einen Mehrwert bietet. Also stellen wir uns immer wieder die Frage: WIE BEGEISTERN WIR UNSERE KUNDEN, UM DIESES PRODUKT ZU KAUFEN? Der Designer im eigentlichen Sinne ist ein gesellschaftlicher Fühler und Beobachter, der mit künstlerischen Fähigkeiten ausgestattet ist. Als ich Bullfrog gegründet habe, wollte ich Möbel für Wohnungen erschaffen, die sich leicht verändern lassen und alles bieten vom Sitzen bis zum Liegen. Das haben wir geschafft. Unsere Produkte sind für Menschen gemacht, die flexibel und kreativ wohnen möchten. Kurt Beier, Gründer & Designer Bullfrog 5 FAKTEN ZU BULLFROG Woher kommt der Name Bullfrog? Diese Geschichte geht auf den Heimatort des Gründers Kurt Beier zurück. Traditionell werden die Einwohner:innen von Michelau auch die Kröten genannt. Als man einen internationalen Namen mit persönlicher Note suchte, fiel eine Begegnung in den USA ein. Hier wurde in fröhlicher Runde gerätselt was Kröte auf englisch heißt. Eine Frau rief laut durch den ganzen Raum "Oh...you mean a Bullfrog". Was ist bei Bullfrog so anders? Risikoaffiin mit dem Mut zum Besonderen. Die Lust am Kreieren und die Lust auf besondere Materialien, sind das Herz und die Selle des Unternehmens. Von der Idee zum Produkt... ...dauert es im Durchschnitt sechs Monate. In dieser Zeit arbeiten Design, Konstruktion und Musterbau eng abgestimmt und in einigen Musterschleifen bis wir mit dem fertigen Produkt zufrieden sind. Neben Design und Sitzkomfort legen wir besonderes Augenmerk darauf, Funktionen so zu verpacken, dass die Ästhetik unbehelligt bleibt. Was hat es mit der Blaufabrik auf sich? Die Blaufabrik in Grub am Forst war unser erster Firmensitz mit spektakulärer Ausstellungshalle. Sie hat uns geprägt und geformt. Bullfrog Italiano? Trotz vieler ungläubiger Nachfragen... ...ist Bullfrog schon immer eine deutsche Firma.

  • The African Way

    Sie unterhalten Büros in Europa und den USA. Sie realisieren Projekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten und China, bauen überall auf der Welt. Und doch ist es gerade der afrikanische Kontinent, dem sich Mariam Kamara, Francis Kéré, Sir David Adjaye und Christian Benimana immer wieder verstärkt widmen: eine Architektin und drei Architekten, die längst zu internationalem Renommee gefunden haben und zu den bedeutendsten Stimmen der gegenwärtigen Baukunst zählen. Mariam Issoufou Kamara: Dandaji Religous Secular Complex © James Wang Text: Manuel Almeida Vergara Zwischen Museumsbauten und Shoppingmalls oder modernen Wohn- und Gemeinschaftskonzepten sind es vor allem soziale und gesellschaftlich wie kulturell relevante Projekte, die ihre Arbeit auszeichnen – nicht nur, aber gerade auch in den Ländern, aus denen ihre Familien stammen. Ein Blick auf eine zeitgenössische Architektur in und aus Afrika, die die ganze Welt begeistert und prägt. Die Nachwuchs-Förderin: MARIAM ISSOUFOU KAMARA   Mariam Kamara hat es geschafft. Die Architektin leitet ihr eigenes Studio, das Atelier Masōmī in Niamey, der Hauptstadt Nigers, mit einer Dependance in New York. Sie entwirft, entwickelt, erbaut Gebäude, öffentliche und kulturelle Orte, Wohn- und Gewerbekomplexe sowie Städtebauprojekte, denen es an internationaler Aufmerksamkeit nicht fehlt. Regelmäßig ist sie auf Prestige-Listen wie „AD100“ des renommierten Innenarchitektur-Magazins „Architectual Digest“ zu finden, oder auch „15 Creative Women of Our Time“ der „New York Times“. Kurzum: Mariam Kamara ist eine der bedeutendsten Architektinnen unserer Zeit. Das muss man erstmal schaffen. Denn immer noch, so wird die Nigrerin niemals müde zu betonen, fehlt es gerade den jungen Kreativen vom afrikanischen Kontinent an Aufmerksamkeit und Förderung, an Stipendien allen voran. Es sind diese Hürden, auf die afrikanische Architektinnen und Architekten im internationalen Wettbewerb häufig stoßen, die Kamara immer wieder in Vorträgen und Texten thematisiert – auf Talks und Podien, in Beiträgen für Architektur-Bücher und bei wiederkehrenden akademischen Engagements, etwa an der Brown University oder der Harvard Graduate School of Design. Mariam Kamara selbst, 1979 im französischen Saint-Étienne geboren, studierte erst Informatik an der New York University, entschied sich später aber für ein Architektur-Studium an der University of Washington. Nach einer kurzen Zeit als Teil der US-Architekturgruppe United4Design, die sie mitbegründet hatte, kehrte sie 2014 nach Niger zurück; in das Land ihrer Eltern, um ihr Studio Masōmī zu gründen. Ihr fester Glaube: Die Architektur spielt eine eminente Rolle in der Erstellung sozialer Gefüge, ist ein gesellschaftlicher Kitt, der dem Alltag der Menschen Qualität und Würde verleihen kann. So sind es vor allem Kamaras öffentliche Architekturen, die sowohl Kritikerinnen und Kritiker als auch die Menschen, die täglich mit ihnen leben, tief berühren. Für das rasant wachsende Dorf Dandaji im Niger zum Beispiel entwickelte die Architektin einen neuen Marktplatz, der einen regelmäßigen Handel auch mit stetig steigenden Stand- und Besucherzahlen organisierbar macht. Farbstarke Metall-Elemente, die auf Gestängen ringsherum zu schweben scheinen, dienen dabei sowohl als Sonnenschutz wie auch als erhebende ästhetische Auflockerung. Aktuell arbeitet Mariam Kamara an einem Kulturzentrum in Niamey, das sich mit seinen runden Formen und rötlichen Sandfarben behutsam in die Nachbarschaft einbetten soll, sowie an Projekten im Nahen Osten, dem Senegal und Somalia, Großbritannien und den USA. Oben: Die ehemalige Moschee des Dirfes Dandaji in Niger ließ Mariam Iggoufou zu einer modernen Bibliothek umgestalten. Viele dramatische, himmelwärts gerichtete Elemente sind dem Bau geblieben. Fotos © James Wang Unten: Farbstarke Metallelemente lockern Kamaras Architektur eines Dorfes in Dandaji auf und spenden zugleich Schatten für Händler:innen und Besucher:innen. Foto: Maurice Ascani © Atelier Masomi   Ein Mann, der Schule(n) macht: DIÉBÉDO FRANCIS KÉRÉ   Es sind seine persönlichen Erfahrungen, die Francis Kérés Arbeit bis heute prägen. 1965 in Gando geboren, einem Dorf in Burkina Faso, war er der erste seiner Familie, der eine Schule besuchen konnte. Mit nur sieben Jahren verließ Kéré dafür seine Familie, um in der Stadt Tenkodogo zu lernen – in einen grauen Zementbau, ohne Ventilatoren, ohne Licht, hunderte Schülerinnen und Schüler in einem großen Raum. Fast 30 Jahre später ist es ebenfalls ein Schulgebäude, das Francis Kéré, mittlerweile Architekt, den internationalen Durchbruch bringt. In seinem Heimatdorf baut er 2001 die „Gando Primary School“, eine Grundschule, auf deren schmalem Unterbau ein großzügiges, schräges Dach thront, durch das Luft und Licht ins Gebäudeinnere geleitet wird. Dazu gibt es große Fenster mit bunten Fensterläden. Den Bau konnte Kéré durch „Gando e.V.,“ später „Kéré Foundation e.V.“ realisieren: ein gemeinnütziger Verein, den der Architekt 1998 in Berlin gegründet hatte, um das Recht eines jeden Kindes auf einen angemessenen Klassenraum nicht nur zu unterstreichen, sondern auch konkret zu ermöglichen. In der deutschen Hauptstadt war Kéré über ein Zimmerer-Stipendium gelandet; 1985 arbeitete er hier an Möbeln und Modellen, besuchte zudem eine Abendschule. 1995 folgte ein weiteres Stipendium, dieses Mal für ein Architektur-Studium an der Technischen Universität Berlin, das er 2004 abschloss. Ein Jahr darauf gründete er hier sein Studio Kéré Architecture. Es sind Schulen geblieben, denen sich der Architekt mit großer Leidenschaft widmet, darüber hinaus medizinische Einrichtungen. Ähnliche Projekte wie in seiner Heimat verwirklichte er in Kenia, Mosambik und Uganda. Zahllose Preise konnte Kéré entgegennehmen – zuletzt in diesem Jahr den renommierten Pritzker-Preis – für sein Engagement, das eben nicht nur auf der Erstellung attraktiver Architekturen basiert. Kérés Arbeit garantiert unzähligen Menschen medizinische Behandlung in passenden Räumlichkeiten. Sie ermöglicht Tausenden Kindern in mehreren afrikanischen Staaten ein Lernen in geeigneten Umgebungen. Sie schafft Bildungs- und Berufsmöglichkeiten, eine Zukunft. Heute pendelt Francis Kéré zwischen Burkina Faso und Berlin, realisiert architektonische Projekte jeglicher Couleur in Deutschland und Dänemark, Italien und der Schweiz, in Großbritannien und den USA, in vielen afrikanischen Ländern außerdem. Sein Wissen gibt er auch als Gastprofessor weiter – unter anderem lehrte er an der Harvard Graduate School of Design und der Yale School of Architecture. Oben: Portrait Diébédo Francis Kéré © | Sein Sarbalé Ke ließ Kéré 2019 für das Coachella Festival in Kalifornien bauen. Der Name des Gebäudes entstammt der Sprache Bissa, die in Teilen Burkino Fasos gesprochen wird, und bedeutet übersetzt passenderweise "Haus des Festes, Foto: Iwan Baan Unten: Kérés Startup Lions Campus im kenianischen Turkana County. Eine sachliche, kompromisslos moderne Architektur entspricht dem Think Tank für Informations- und Kommunikationstechnologien, Foto: Kinan Deeb for Kéré Architecture | In seinem Heimatdorf baute Kéré 2001 die Grando Primary School, eine Grundschule, die mit viel Luft, Licht und bunten Fensterläden das Lernen erleichtert. Foto: Siméon Duchoud   Aufregend museumsreif: SIR DAVID ADJAYE   Seit 2017 wird David Adjaye mit Sir David Adjaye angesprochen – seit ihn Königin Elizabeth II zum Ritter geschlagen hat. Nur ein Jahr zuvor wurde The Smithsonian National Museum of African American History and Culture in Washington fertiggestellt, bei dessen Entwicklung Adjaye federführend war. Die Eröffnung des imposanten Baus, dessen Struktur an eine klassische, dreiteilige Säule aus Basis, Schaft und Kapitell angelehnt ist, nannte die „New York Times“ damals das „kulturelle Event des Jahres“. Schon einige Jahre zuvor hatte der Architekt mit einem anderen, nachhaltig konzipierten Museumsbau in den USA für Aufsehen gesorgt: 2007 war sein geradliniges, auf rechteckigen Glasfassaden basierendes Museum of Contemporary Art Denver eröffnet worden. Sir David Adjaye ist bekannt für seine eklektischen Bauten, für einen ungewöhnlichen Materialeinsatz und seine skulpturalen Entwürfe. Neben der Architektur widmet er sich auch dem Produkt- und Interiordesign. Und doch ist es gerade die Entwicklung kultureller, künstlerischer, kreativer Orte – Museumsbauten allen voran –, die ihn zu einem der bedeutendsten Architekten seiner Generation gemacht hat. Ein Ruf, der es ihm erlaubt, internationale Projekte zu realisieren, die das Verständnis einer zeitgenössischen Architektur global beeinflussen. Ein weltumspannendes, kultursensibles Verständnis, dass sich auch aus Adjayes Biografie ergibt. Geboren wurde er 1966 in Tansania, aufgewachsen ist Adjaye in Ägypten und Saudi-Arabien. Bevor er für renommierte Architekten wie Eduardo Souto de Moura und David Chipperfield arbeitete, studierte er in London – seinen Master machte er dort am Royal College of Art. 2000 eröffnete er sein erstes eigenes Architekturstudio, heute unterhält Adjaye Associates Büros im ghanaischen Accra, in London und New York. In Material- und Farbauswahl, Stil und Attitüde mögen sich die Arbeiten des Architekten stark unterscheiden: Sei es Ruby City, ein im besten Sinne klotziger roter Bau, der ein Zentrum für zeitgenössische Kunst im texanischen San Antonio beherbergt; das aus mehreren, kastigen Türmen bestehende interdisziplinäre Africa Institute der Stadt Schardscha in den Vereinigten Arabischen Emiraten; oder auch Adjayes kommerziellere Projekte wie der Luxus-Flagshipstore „The Webster“ in Los Angeles. Was sie aber alle eint, ist die Fähigkeit, durch völlig neue, ungewöhnliche Typologien Diskurse anzustoßen über die Kultur und das Kulturelle. Oben: Adjayes erstes Hochhaus in den USA, hier im Hintergrund, entspricht in seiner rötlichen Farbe und mit rundlichen Fenstern den traditionelleren Architekturen New Yorks, Foto: W. Katamashvili | Sir David Adjayes Moscow School of Management. Mit seinem Entwurf wollte der Architekt die Idee eines klassischen Universitätsgebäudes aufbrechen und stattdessen viele einzelne Winkel und Lernorte schaffen © T. Stanislav Unten: Ein eher kommerzieller Bau: Der Luxus Flagshipstore The Webste in Los Angeles © Adjaye Associates | Im texanischen San Antonio steht Adjayes Ruby City. Ein im besten Sinne klotziger roter Bau, der ein Zentrum für zeitgenössische Kunst beherbergt. © Adjaye Associates    Im Dienst der Gesellschaft: CHRISTIAN BENIMANA   Es ist die Langlebigkeit, die Christian Benimana besonders interessiert. Als Senior Principals and Managing Director der internationalen MASS Design Group setzt er sich für Fairness und eine gerechte Verteilung in der Branche, außerdem für eine konsequent nachhaltige Gestaltung ein. Das natürlich auch als Direktor des hier integrierten African Design Centres, das praxisorientierte Ausbildungen für junge Architektinnen und Architekten, Designerinnen und Designer bieten will. 2010 kam Benimana zu MASS. Die Abkürzung steht für „Model of Architecture Serving Society“ – eine Gruppe also, die sich einer Architektur widmet, die „der Gesellschaft dient“. Dem Verständnis des Unternehmens folgend wird ein Entwerfen und Bauen angestrebt, das den Menschen in den Fokus rückt, Gemeinschaften schafft und prägt, neue, zukunftsfähige Narrative durch Architekturen ergibt. Mehr als 200 Kreative sind an den MASS-Projekten beteiligt, Architektinnen und Landschaftsarchitekten, Ingenieurinnen und Handwerker, Designerinnen, Autoren und Filmemacher aus rund 20 Ländern. Das Unternehmen, das vom „Wall Street Journal“ 2020 zum „Architecture Innovator of the Year“ ernannt wurde, unterhält Büros und Zentren in Boston und Santa Fe, in Bozeman und Poughkeepsie – und in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda. Hier arbeitet Benimana, in dem ostafrikanischen Staat wurde er auch geboren. Er studierte Architekturwissenschaften an der Tongji-Universität in Shanghai und war später Generalsekretär des East Africa Institute of Architects, bevor er sich selbst vornehmlich der Ausbildung neuer, junger, kreativer Architekturstimmen aus Afrika widmete: Erst lehrte er am damaligen Kigali Institute of Science and Technology, dann kam er zu MASS, um sich hier vor allem der Nachwuchs-Arbeit zu widmen. In Artikeln und Publikationen beschreibt er sein Ziel hierbei als Unterstützung und Formung der nächsten Generation afrikanischer Kreativer in sozial ausgerichteten Architektur- und Design-Disziplinen. Zu den Gebäuden, die unter Benimanas Aufsicht entstanden sind, zählt etwa das Gheskio-Centre, eine architektonisch auf spitz zulaufenden, durchlöcherten Strukturen basierende Fachklinik in Haiti. Das Zentrum konnte dazu beitragen, dass der karibische Staat nach einem verheerenden Ausbruch im Jahr 2010 nunmehr seit drei Jahren keinen Fall von Cholera zu verzeichnen hat. Auch die Umubano Primary School, ein langgezogener, heller Grundschulbau mit einem ausgeklügelten Belüftungssystem in Kigali, gehört zu den Projekten, denen sich Benimana unlängst widmete. Oben: Das Bezirkskrankenhaus in der Provinz Burera nach einem Entwurf der MASS Design Group. Die Klinik spielt eine wichtige Rolle in der Stabilisierung des Gesundheitssystems von Ruanda. © MASS Design Group | Bevor das Bezirkskrankenhaus in Butaro 2011 fertiggestellt worden war, hatten viele Menschen in der Region überhaupt keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. © MASS Design Group Unten: Aktuell unterstützt die MASS Design Group den Bau eines Instituts für Konservierende Landwirtschaft in Ruanda © MASS Desgígn Group | Das Projekt Butaro Doctors’ Housing – erbaut in direkter Nachbarschaft zum Butaro District Hospital – kombiniert nachhaltige Architektur mit lokalem Handwerk, um medizinisches Fachpersonal langfristig vor Ort zu halten. © MASS Design Group

  • How to throw a memorable party

    Das Setting, der Sound, das Licht: Was lässt eine Party unvergesslich werden? Die Kombination aus all diesen Dingen – wenn sie mit Menschen zusammentreffen, die eine hohe Kunst beherrschen: loszulassen und dem Augenblick zu huldigen.      Text: Lena Schindler Wer mal eine jener Partys besucht hat, die uns eintauchen lassen in diese magische Welt aus Lebensfreude, Spannung und pulsierender Energie, in der nichts zählt als der Augenblick, der weiß, dass dieses Gefühl nie wieder ganz verschwindet. Manchmal sind es opulente Feste mit „The Great Gatsby“-Anmutung, die sich ins Gedächtnis einbrennen und an denen sich alles, was danach kommt, messen muss. Aber auch barfuß am Strand bei Mondschein können diese Momente der Ausschweifung entstehen.     Aber was macht so eine Nacht aus, die nie zu Ende gehen soll, bei der Vernunft und Alltag so wunderbar weit weg sind? Dafür sollten ein paar Dinge glücklich zusammentreffen: ein besonderer Ort, ein stimmungsvolles Licht, der richtige Sound, vielleicht auch etwas Unerwartetes. Wie eine Bianca Jagger, die zu ihrem Geburtstag im New Yorker „Studio 54“ auf einem weißen Pferd erschien. Das Epizentrum der Disco-Ära war in den 70er-Jahren der  Treffpunkt für Exzesse. Auch die wilden Partys in der „Playboy Mansion“ in Los Angeles haben Legenden-Status. Genau wie die Faschingsnacht der Berliner „Akademie der Künste“, bei der Rainer Langhans und Gang sich 1967 zu sphärischen Klängen in Ekstase wiegten.     Es braucht nicht immer harte Beats und starke Drinks, Glamour und Extravaganz, damit die Sache großartig wird. Aber was dann? „Eine Formel gibt es nicht: Es ist der Mix aus Menschen und Inspiration“, hat der verstorbene Szenenbildner Michael Howells mal gesagt. Der nicht nur Laufstege und Bühnen in Fantasie-Universen verwandelte, sondern auch das Motto „die Schönen und Verdammten“ für den 30. Geburtstag von Kate Moss dramatisch inszenierte.    Also alles eine Frage der Gäste? „Egal, ob elegant, underground oder mainstream, damit eine Party unvergesslich wird, braucht es Menschen, die feiern können. Denn wirklich loszulassen ist eine Kunst, die nicht jeder beherrscht“, so stilwerk Inhaber Alexander Garbe.  Bei sehr festlichen Anlässen lassen wir unser Inneres nach außen strahlen – oder eben umgekehrt: „Wenn wir uns für ein Fest ,schmücken‘, fühlen wir uns automatisch anders“, so stilwerk Designerin Karlotta Bott: „Nicht nur die Kleidung verschafft uns Komplimente, auch die Veränderung des Selbstbewusstseins und unserer Haltung.“ Sie selbst hat eine Schwäche für Künstlerpartys; wie die „Same Height Party“ von Hans Hemmert, bei der alle Gäste mit Plateauschuhen ausgestattet wurden, sodass sie sich im wahrsten Sinne des Wortes auf Augenhöhe begegneten. Was die Gestaltung angeht, empfiehlt sie ein Farbkonzept, beschränkt auf zwei bis drei Töne, samt Kontrasten durch Pflanzen. Wenn dadurch dann Stimmung und Emotion entsteht, könnte es genau das werden, was Michael Howells sich unter einer unvergesslichen Feier vorgestellt hat: „Es sollte wie ein scharfes Einatmen von Luft sein, Überraschung und Glück, die in einem Moment destilliert werden.“

  • Der achte Kontinent

    Spannende Auszüge über die Geschichte der Monderkundung aus dem Buch „Traum von der Reise zum Mond“ von Lukas Feireiss. Seit Jahrhunderten sind die Menschen in allen Kulturen fasziniert vom Mond, dem einzigen Himmelskörper neben der Sonne, den wohl jeder Mensch erkennt. Er weckt Träume von der Reise zu fernen Planeten. Lange bevor Ingenieure und Wissenschaftler ernst machten mit der Mondreise, hatten Künstler und Schriftsteller sie bereits in nahezu all ihren Aspekten erkundet. Unser nächster astronomischer Nachbar, der Mond – nur drei Tagesreisen mit der Rakete entfernt –, ist Visionären rund um den Globus auch heute noch Anstoß zu kreativer Projektion und Spekulation. Fast fünf Jahrzehnte nach dem ersten Mondspaziergang zeichnet das Buch von Lukas Feireiss die visuelle Kulturgeschichte der Monderkundung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nach.   DER ACHTE KONTINENT Soweit wir wissen entstand der Mond vor 4,5 Milliarden Jahren, als ein Planeten-„Embryo“ auf die noch junge Erde prallte – diese war damals rund 30 bis 50 Millionen Jahre alt. Durch diese Kollision entstand eine Wolke von Schutt, die sich wieder verdichtete und so den Mond bildete. In diesem Sinne ist der Mond gar keine andere Welt, denn er wurde aus unserer Erde geschaffen. Der Mond ist der achte Kontinent unseres Planeten und bewahrt eine Erinnerung an die sehr frühe Zeit unseres Sonnensystems.   DER GROSSE MONDSCHWINDEL Im August 1835 veröffentlicht die New Yorker Tageszeitung „The Sun“ eine mehrteilige Titelgeschichte über die vermeintliche Entdeckung von Leben, ja sogar einer Zivilisation auf dem Mond. In dem Bericht werden fantastische Tiere beschrieben, die auf dem Mond leben sollen: darunter Bisons, Ziegen, und Einhörner. Untergeschoben werden die Entdeckungen dem bekanntesten Astronomen der Zeit, Sir John Herschel. Als Verfasser des Artikels, der später als „großer Mondschwindel“ bezeichnet wird, wird der Reporter Richard Adams Locke ausgemacht. Der Vorfall gilt als erstes Exempel großangelegter, mutwilliger Fälschungen im Zeitungsjournalismus.   VON DER ERDE ZUM MOND Der Pionier des Weltraumzeitalters ist zweifellos der französische Schriftsteller Jules Verne mit seinem bahnbrechenden Roman „Von der Erde zum Mond“ (1865) und dem Nachfolgeband „Reise um den Mond“ (1870). Die Geschichte folgt drei Männern auf ihren Reisen fort von der Erde und um den Mond. Mit der Veröffentlichung von Vernes Romanen wird die Möglichkeit, durch den Weltraum zu reisen, von einer Fantasie zur bloßen Herausforderung viktorianischer Ingenieursleistung. Seine Bücher werden zur direkten Inspirationsquelle für frühe Raketenforscher.   JENSEITS DER WIEGE 1903 veröffentlicht der Vater der Raketenwissenschaft, Konstantin Ziolkowski, den Artikel „Die Erforschung des Weltraums mittels Reaktionsapparaten“. Darin gelingt ihm erstmals der Beweis, dass eine Rakete tauglich sein könnte für den Flug ins und durch das Weltall. Er entwickelt eine Reihe von Ideen über Raketenantrieb und die Verwendung von flüssigen Raketentreibstoffen. In seiner Begründung für die Erkundung des Weltraums von 1911 heißt es: „Es stimmt, die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber man kann nicht ewig in der Wiege bleiben.“   RENDEZVOUS IN DER MONDUMLAUFBAHN Im Jahr 1919 formuliert Juri Kondratjuk, ein visionärer 22-jähriger Ingenieur und Mathematiker aus der Ukraine, ein theoretisches Konzept für künftige Mondlandungen: das sogenannte „Lunar Orbit Rendezvous“. Als der amerikanische Astronaut Neil Armstrong nach seinem historischen Mondflug die Sowjetunion besucht, nimmt er eine Handvoll Erde von Kondratjuks Grundstück in Nowosibirsk mit, um dessen bedeutenden Beitrag zur Raumfahrt zu würdigen.   VEREIN FÜR RAUMSCHIFFAHRT Die erfolgreichen Veröffentlichungen von populären Wissenschaftspublizisten wie Hermann Oberth, Willy Ley und Max Valier führen dazu, dass Deutschland in den späten 1920er Jahren kurzfristig von einem Raketenfieber geschüttelt wird. Nach der Aufführung von Fritz Langs Science-Fiction -Stummfilm „Frau im Mond“ (1928/29) wird sogar ein Verein für Raumschiffahrt gegründet. 1930 tritt der Verein an die deutsche Wehrmacht heran und erhält die behördliche Genehmigung, ein ehemaliges Munitionsdepot in Berlin zu nutzen, um selbst entworfene Raketen zu testen.   NAZI-RAKETEN-FORSCHUNG Das jüngste Mitglied des 1934 von der nationalsozialistischen Reichsregierung aufgelösten Vereins für Raumschiffahrt, Wernher von Braun, träumt weiterhin von der Mondreise. Er wird eine Zentralfigur der sich entwickelnden Raketentechnologie im Zweiten Weltkrieg in Deutschland, später dann in den Vereinigten Staaten. Als die Nazis die Macht übernehmen, setzen sie die Raketenwissenschaft auf die nationale Agenda. Von Braun und seine Mannschaft erhalten ein Startkapital von 20 Millionen Reichsmark, um an der Ostsee in Peenemünde Raketengeschosse zu entwickeln. 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, startet der damals erst 30-jährige von Braun die Rakete „Aggregat 4“, die später als V2 „Vergeltungswaffe“ in die Geschichte eingehen wird.   DISNEYS MOND Für die TV-Show von Walt Disney werden drei kurze Disneyfilme über die Zukunft der Weltraumforschung unter den Titeln „Man in Space“, „Man and the Moon“ und“ Mars and Beyond“ zusammen mit Experten wie Wernher von Braun produziert. Die Sendungen geben einen historischen Abriss der Raketenwissenschaft und ein Schritt-für-Schritt-Programm für den Weg ins All. Fast 100 Millionen Menschen sehen 1955 die erste Folge – die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung. Unter den Zuschauern befindet sich auch Präsident Dwight D. Eisenhower, der von den Aussichten ins All so fasziniert ist, dass er eine Kopie des Films ausleiht, um sie im Pentagon vorzuführen. Vier Monate später verkündet Eisenhower, dass die Vereinigten Staaten 1957/58 einen Satelliten starten werden.   LAIKA Kurz nach dem Start des Erdsatelliten „Sputnik 1“ (1957) präsentiert die Sowjetunion der Welt die erste Heldin des Weltraumflugs: Laika, ein Moskauer Straßenhund. Sie ist das erste Tier, das die Erde umkreist – an Bord von „Sputnik 2“. Laika überlebt etwa drei Tage lang, dann stirbt sie infolge der Hitze in der Kabine. Das Experiment erbringt den Beweis, dass ein Lebewesen den Start in die Umlaufbahn und die Schwerelosigkeit unversehrt überstehen kann. Damit bereitet es der Menschheit den Weg zu Reisen in den Weltraum.   WIR HABEN UNS ENTSCHLOSSEN, ZUM MOND ZU FLIEGEN 1962 verkündet  John F. Kennedy in seiner legendären Mondrede an der Rice University, dass die Vereinigten Staaten noch vor Ende der Dekade einen amerikanischen Bürger zum Mond befördern wollen.   WELTRAUM-VERTRAG Die Entwicklung des Raumflugs wird unweigerlich zu einer Frage internationaler Politik. Der Weltraum-Vertrag von 1967 bildet die Grundlage des länderübergreifenden Weltraumrechts. Er untersagt, Nuklear- oder sonstige Massenvernichtungswaffen in die Erdumlaufbahn, auf den Mond oder andere Himmelskörper zu bringen. Außerdem beschränkt der Vertrag die Nutzung des Mondes auf friedliche Zwecke und untersagt jeglichen Waffentest und den Bau militärischer Basen. Der Mond wird zum „gemeinsamen Erbe der Menschheit“ erklärt.   SILVER FACTORY Ein unbedingtes Vertrauen in die Versprechen künftiger Technologien wird zur Grundlage eines neuen Zeitgeistes, der auch zahlreiche Gestalter der 60er Jahre beeinflusst. Überall auf der Welt spürt man die Bedeutung des Weltraums für die Künste und das kulturelle Leben. Selbst Andy Warhols berühmte „Factory“ in New York wird mit Alufolie ausgekleidet, mit silberner Farbe besprüht und mit Bruchstücken von Spiegeln dekoriert, um einem Raumschiff zu ähneln.   ODYSSEE IM WELTRAUM Zur selben Zeit nimmt der US-Regisseur Stanley Kubrick in seinem rätselhaften Science-Fiction-Meisterwerk „2001: A Space Odyssey“ („2001: Odyssee im Weltraum“, 1968) auf geradezu unheimliche Weise die ikonografische Macht des bemannten Raumflugs vorweg. Kubricks Imagination geht den berühmten Live-Fernsehbildern der Erde und des Mondes noch voraus, die Apollo 8 wenige Monate später sendet und die die Fundamente der menschlichen Kultur, Erfahrung und Selbstwahrnehmung erschüttern.   SPACE ODDITY Der britische Popstar David Bowie veröffentlicht eine berühmte Single, die auf Kubricks Film anspielt: „Space Oddity“ (1969). Die Weltraumballade erzählt von Major Tom, einem fiktiven Astronauten, der zufällig den Fesseln der Welt entkommt, um jenseits der Sterne auf Reisen zu gehen.   APOLLO 11 Am 16. Juli 1969 startet der erste bemannte Flug zum Mond: die US-Mission Apollo 11. Die dafür eingesetzte Saturn-V-Rakete wird mit einer Höhe von 110m, einem Durchmesser von 10m und einem unglaublichen Gewicht von 2.800.000 kg die größte, schwerste und stärkste Rakete bleiben, die je gestartet wurde.   EIN KLEINER SCHRITT  „Ein kleiner Schritt für einen Mann, ein riesiger Sprung für die Menschheit“, verkündet Neil Armstrong am 20. Juli 1969 live einem weltweiten Fernsehpublikum. Das berühmte Zitat und Armstrongs Fotografie von seinem Kollegen Buzz Aldrin auf der Oberfläche des Mondes werden schlagartig zu Ikonen der US-Weltraumforschung. Schätzungen zufolge sieht ein Fünftel der Menschheit die Live-Übertragung des Mondspaziergangs. Armstrong ist der Erste, der die Mondoberfläche betritt: Er verbringt dort etwa zweieinhalb Stunden und entfernt sich maximal 60m von der Mondlandefähre. Erstaunlich ist die Bezahlung der Astronauten auf dem historischen Apollo-Mondflug: acht Dollar pro Tag, abzüglich Unterbringungsgebühr. Es heißt, Aldrin habe noch einen gerahmten Reisekostenbeleg an der Wand: „Von Houston nach Cape Kennedy, Mond, Pazifischer Ozean. Erhaltener Betrag: $ 33,31“.   WIR KAMEN IN FRIEDEN Nach ihrem Mondspaziergang hinterlassen die Astronauten unter anderem die Flagge der Vereinigten Staaten und eine Plakette mit zwei Zeichnungen der Erde, den Signaturen der Astronauten sowie des Präsidenten Nixon und einer Inschrift. Diese lautet: „Hier haben erstmals Menschen den Mond betreten, Juli 1969 A.D. Wir kamen in Frieden, stellvertretend für die gesamte Menschheit.“   MISSION ERFÜLLT Die letzte Mission des Apollo-Mondprogramms der Vereinigten Staaten führt am 7. Dezember 1972 zum sechsten Mal erfolgreich Menschen auf den Mond. Apollo 17 bricht diverse Rekorde: Es ist bis heute der längste bemannte Mondflug mit dem längsten Außenbordeinsatz auf der Oberfläche des Mondes, der größten Menge gesammelter Proben und dem längsten Flug in der Mondumlaufbahn.   ABLEGER Das Apollo-Programm wird als größte technologische Errungenschaft der Menschheitsgeschichte bezeichnet. So bildet das im NASA-Programm gewonnene Wissen eine Basis der modernen Computertechnik. Ein Beispiel ist die Verkleinerung von Computerchips als Folge früher bemannter Raumflugaktivitäten. Einige der bemerkenswertesten Ableger allerdings haben ihre Anwendung im medizinischen Bereich, wie etwa Röntgen- und Ultraschalltechniken.   MOON BOOTS Selbst das Design und die Herstellung von Sportschuhen profitieren von der Apollo-Technologie. Der „Moon Boot“ ist ein revolutionärer Turnschuh: Er dämpft Stöße besser ab, gibt mehr Halt und verbessert die Bewegungskontrolle, da er Technologie und Prozesse aus der Entwicklung der NASA-Raumanzüge übernimmt.   MOND-VERSCHWÖRUNG 1976 veröffentlicht Bill Kaysing – früher angestellt in der Publikationsabteilung des Unternehmens, das die Saturn-V-Rakete gebaut hat – im Selbstverlag das Buch „We Never Went to the Moon: America’s Thirty Billion Dollar Swindle“. Darin nennt er eine Reihe Argumente, die beweisen sollen, dass die Mondlandung ein Fake war – und startet damit eine ganze Bewegung.   OBAMA Als sich abzeichnet, dass die Pläne der NASA, zum Mond zurückzukehren, nur mit deutlich höheren Ausgaben zu realisieren wären, kündigt US-Präsident Barack Obama an, das Programm werde 2011 auslaufen. In einer Ansprache im Kennedy Space Center sagt er im April 2010: „50 Jahre nach der Schaffung der NASA wollen wir nicht einfach mehr nur einen bestimmten Ort im All erreichen. Unser Ziel ist, dass Menschen im Weltraum über lange Zeit arbeiten, lernen und leben können, vielleicht sogar unbegrenzt.“   MONDBASIS IM 3D-DRUCK Angesichts der Schwierigkeit, Baumaterial zum Mond zu transportieren untersucht ein Konsortium,  das die Europäische Weltraumorganisation gegründet hat, die Nutzung von Mondstaub (so genanntes Regolith) als Baumaterial. Dafür entwirft das britische Architekturbüro Foster+Partners eine Mondbasis, die Platz für vier Menschen bietet, außerdem Schutz vor Meteoriten, Gamma-Strahlung und heftigen Temperaturschwankungen. Die Basis entfaltet sich aus einem zylindrischen Modul, das per Rakete transportiert werden kann. Am Ende dieser Röhre wird eine Gerüst-Kuppel aufgeblasen, über die mithilfe eines robotergesteuerten 3D-Druckers mehrere Schichten Regolith als Schutzhülle gesetzt werden.   SCHÜRFROBOTER AUF DEM MOND Im Februar 2014 fordert die NASA im Rahmen des CATALYST-Projektes US-Unternehmen auf, sich für die Konstruktion von Schürfrobotern für den Mond zu bewerben und sich somit die ersten Schürfrechte dort zu sichern. Der Hintergrund: Viele Elemente, die auf der Erde selten sind, finden sich auf dem Mond reichlich. So zeigen Satellitenbilder, dass die obersten 10 cm Staub am Südpol des Mondes etwa die 100-fache Konzentration an Gold aufweisen wie die reichsten Minen der Erde. Neben seltenen Mineralien sind es vor allem H20 und Helium-3, denen besondere Aufmerksamkeit gilt. Helium-3 vom Mond könnte genutzt werden, um Kernfusionsreaktionen auszulösen, die stark genug sind, ganze Städte mit Energie zu versorgen.    „Der Traum von der Reise zum Mond“ von Lukas Feireiss ist erschienen bei Spector Books, Leipzig, 2016.

  • Relax. Connect. Be.

    May we introduce: Atelier & Club Room im stilwerk Strandhotel Blankenese . Wir nehmen euch mit hinter die Kulissen und erzählen, was wir mit unseren beiden "open spaces" vorhaben und was das Interior damit zu tun hat. So viel sei verraten: Zwei Räume, eine Idee: Community for Blankenese. © Foto by Marc Krause for stilwerk Atelier & Club Room: Die Namen waren schnell gefunden, die Farben auch. Und die Möbel? Sowieso. Schließlich hatten wir mit Westwing einen wunderbaren Partner an unserer Seite, der uns mit der eigenen Kollektion und kuratierten Premiumbrands sofort überzeugen konnte. Aber zunächst zur Ausgangslage: Die Jugendstilvilla aus dem Jahre 1902 war schon immer ein Hotel – ein Ort der Zusammenkunft, des Austauschs, der Erholung. Und genau das sollte es nach unserer Umgestaltung in ein zweites stilwerk Hotel auch bleiben. Zwei Räume spielen bei dieser Erzählung eine Hauptrolle: Das Atelier und der Club Room. Beide gegenüberliegend, mit direktem Elbblick, Stuck an Wand und Decken, Kamin, Säulen – alles, was unser Community Herz begehrt. „Atelier und Club Room sind der Inbegriff dessen, was wir mit unseren Hotels kreieren möchten: Orte der Inspiration, des Austauschs, Rückzug und Zusammenkommen gleichermaßen. Für unsere Gäste. Aber auch für das Viertel und die Community vor Ort“, so Alexander Garbe, Geschäftsführender Gesellschafter von stilwerk. © Fotos by Marc Krause for stilwerk Das Interior als Mediator Wie also diese zwei Orte gestalten, damit genau solch ein Effekt eintritt? Und das ohne künstlich daherzukommen und überkandidelt zu wirken – denn nicht das Design steht an erster Stelle, sondern die Gäste und ihre Erfahrung im Raum. Wie eingangs beschrieben, standen die Namen für beide open spaces schnell fest: Während Atelier auf den kreativen Spirit des Hauses anspielt, weckt Club Room Assoziationen von zeitgeistiger „Togetherness“.   Bereits mit der Farbwahl machen wir diese Leitmotive greifbar: Das Atelier kommt in einem frischen Blau daher und lässt mit seiner open-minded Atmosphäre Platz für Ideen; der Club Room zeigt sich in einem sanften Rosa, das sich Barbie-äsken Klischees entzieht und eine warme, einladende Atmosphäre schafft. Mut zur Extravaganz beweist die Wahl der Palmen-Tapete der britischen Manufaktur House of Hackney, die den Bartresen umrahmt. Was die Möblierung betrifft war schnell klar: Wir möchten zwei Orte kreieren, die viele Möglichkeiten der Aneignung bieten – d.h. wir haben verschiedene Bereiche definiert, die jeweils andere Möbeltypen verlangen. Im Club Room fiel die Wahl dabei sofort auf das Sofa „Cloverleaf“ der Marke Verpan als Centerpiece. Verner Panton designte das modulare Möbelstück 1969, das mit seiner organisch-skulpturalen Form sofort ins Auge sticht. Das Beste dabei: Es regt zur Kommunikation an, es verbindet und passt damit perfekt zur Grundidee des Raumes. Im Atelier lädt an der großen Fensterfront eine Loungeecke mit großformatigem Sofa und zwei Sessels der dänischen Marke Formel A zum entspannten Moment der Ruhe ein. Dazu gesellt sich eines unserer Signature-Pieces: Der Kronleuchter „Le Sfere“ von Astep. Gino Sarfatti, Großvater vom Firmengründer, gestaltete die Leuchte bereits 1959 und ließ sich von seiner Faszination für den Mond inspirieren. Im stilwerk Hotel Heimhude hängt die Variante in Schwarz, im Strandhotel entschieden wir uns im Atelier für den Champagner-Ton. Eine echte Schönheit – pompös und zugleich minimalistisch, sehr modern und doch zeitlos. Für uns also ein perfektes Design. © Fotos by Brita Sönnichsen for stilwerk Kreative Kollaboration: Westwing x stilwerk Da wir unser Credo „Kooperation statt Konkurrenz“ ernst meinen, haben wir uns für die Komplettierung der beiden Räume mit Westwing, Europas #1 im Beautiful Living E-Commerce, zusammengetan.   Was uns an Westwing Business sofort überzeugt hat, war nicht nur die Designkompetenz, sondern das gemeinsame Verständnis von kuratierter Ästhetik und hochwertiger Gestaltung. Die Westwing Collection besticht durch klare Linien, klassische Silhouetten und edle Materialeigenschaften, die sich perfekt mit unserem Interior-Anspruch verbinden lassen. „Ein spezieller Mix aus urbaner Eleganz und natürlicher Gelassenheit zieht sich durchs gesamte Haus. Im Atelier und Club Room spielt neben der Wandfarbe dunkles Holz eine absolute Hauptrolle. Aus der Westwing Collection sind mir dabei sofort Stuhl 'Nemo' und der Barhocker 'Chenille Eamy' aufgefallen. Die edle Optik und die klassische Formensprache passen perfekt ins Konzept und lassen das Interior wie aus einem Guss wirken“, so Karlotta Bott, Head of Curation & Design, über das Interior-Konzept und die Auswahl der Westwing Produkte. Produktlieblinge mit Persönlichkeit Der Tisch Emett  bringt durch seine massive Eichenplatte Ruhe und Substanz in den Raum – ein echtes Statement-Piece, das mit seiner klaren Form sowohl elegant als auch bodenständig wirkt. Dazu kombiniert: die Stühle Nemo und Angelina , deren geschwungene Linien und hochwertige Bezugsstoffe nicht nur optisch, sondern auch haptisch überzeugen. Ein weiteres Highlight ist der Barhocker Chenille Eamy : Seine runde, einladende Form nimmt den kommunikativen Gedanken des Club Rooms  auf und unterstreicht das Ziel, eine Atmosphäre des Austauschs und der Begegnung zu schaffen. Kurzum: Die Zusammenarbeit mit Westwing hat uns ermöglicht, ein Interior zu realisieren, das nicht nur optisch begeistert, sondern auch auf funktionaler Ebene überzeugt – langlebig, stilvoll, vielseitig und damit unsere Vision von Kreativität und Community Wirklichkeit werden lässt. Übrigens: Beide Räume können natürlich gemietet werden - sei es für ein Fotoshooting, ein Launch-Event oder auch für private Anlässe wie Hochzeiten, Geburtstage oder andere Happenings. Wir freuen uns auf eure Anfrage.   Shop the Design

  • Oben

    Ein  wildes Lokal auf dem Dach eines ehemaligen Autolagers mitten in Kopenhagen. Doch es steckt noch mehr dahinter als nur ein ungewöhnlicher Ort: Ein Gespräch mit " Gro Spiseri "-Manager Steen Kristensen über nachhaltige Gastronomie und Gemüseanbau in der Großstadt. Blick aufs grüne Dach. © Gro Spiseri in Kopenhagen Interview: Silke Roth für stilwerk   Wie kommt man auf die Idee, ein Restaurant mitten in einem urbanen Gartenprojekt zu betreiben? Steffen Steen Kristensen : 2014 haben meine Kollegen Kristian und Livia das Farmprojekt Østergro gegründet. Øster  kommt dabei von unserem Kopenhagener Stadtteil Østerbro,  und gro  heißt auf Dänisch wachsen . Damals hatten beide das Gefühl, ein Restaurant wäre eine gute Ergänzung. Also haben sie unser gläsernes Gewächshaus für Pop-up-Events vermietet. Wenig später wollte jemand ein ständiges Restaurant hier betreiben, und nach zwei Jahren haben wir es übernommen. Unsere Farm und alle Projekte, die wir rund um das Thema lokale Landwirtschaft betreiben, machen sehr viel Arbeit. Wir wollten es einfach selbst in die Hand nehmen, damit das Restaurant am besten davon profitiert.   Aber zuerst entstand der Garten auf dem Dach … S.S.K : Genau. Livia hatte vorher ein Praktikum in New York bei „Brooklyn Grange“ gemacht, ein amerikanischer Vorreiter in diesem Bereich. Zurück in Kopenhagen wollten Kristian und sie auf Anhieb ein ähnliches Projekt realisieren – nur die richtige Location fehlte. Dann kam Jac Nelleman auf uns zu. Sie müssen wissen, wir sitzen hier auf einem alten Lagerhaus, das dem ehemaligen, dänischen Rennfahrer gehört.  Hier wurden früher Autos gelagert und versteigert. Somit ist das Flachdach extrem tragfähig, bis zu 400 Kilogramm pro Quadratmeter! Das ist in Kopenhagen echt selten. Wir haben einen Vertrag mit Jac gemacht: Er stellt uns das Dach zur Verfügung und im Gegenzug darf er hier so oft essen, wie er möchte. Wir wurden außerdem von einem Fonds für Bio-Landwirtschaft und „Klimaquartier” unterstützt. Letzteres ist ein Nachbarschaftsprojekt. Kopenhagen hat nämlich ein großes Problem: den Regen. Die Stadt hat viele geschlossene Oberflächen, und bei heftigen Schauern kann das Wasser nicht ablaufen. Deshalb werden Projekte unterstützt, die Experimente und Lösungen in Sachen Klima-Anpassung zeigen. Wie genau muss man sich Ihre Arbeit vorstellen?   S.S.K : Wir sind ein Team von zwölf Leuten. Den stärksten Zulauf haben unsere Gärten. Es gibt eine Warteliste von 300 Leuten, die hier mitgärtnern wollen. Das Restaurant hat momentan von Donnerstag bis Sonntag geöffnet, es gibt eine lange Tafel für alle Mitglieder. Social Dining  nennen wir das. Die aktuellen Einschränkungen erschweren uns natürlich die Arbeit. Gerade dürfen nicht mehr als zehn Personen im Restaurant sein, das Gleiche gilt für die Gärten. Aber zum Glück gibt es noch unsere Community FaelleGro.  Hier bringen wir Menschen mit lokalen Erzeugern der Umgebung zusammen. Uns ist es wichtig, dass Großstädter lernen, regional und nachhaltig zu denken und zu konsumieren.   Also sehen Sie sich gleichzeitig als Lehranstalt?   S.S.K : Unbedingt. Wir sehen uns nicht als Produzenten von nachhaltigen Lebensmitteln, sondern als Produzenten von Wissen. Wir wollen den Menschen beibringen, wie ein ökologischer und bio-dynamischer Anbau funktioniert. Deshalb fördern wir den Austausch mit lokalen Bauern. Dort kaufen wir auch unsere Vorräte für das Restaurant.   Das heißt, Sie kochen nicht nur mit Sachen aus Ihrem Urban Garden Projekt?   S.S.K:  Nein, das würde nie reichen! (lacht) Aus unserem Garten kommt nur ein kleiner Teil: Kräuter, Salate, Blüten. Gut 95 Prozente beziehen wir über regionale Bauern. Gibt es ein Lieblingsgericht der Gäste?    S.S.K : Ich glaube, das ist die falsche Frage für uns. Wir wechseln unser Menü saisonal – im letzten Winter sah es etwa komplett anders aus. Wenn wir eine Evergreen-Küchenphilosophie haben ist es die, nach dem Zero-Waste-Prinzip zu kochen. Wenn wir zum Beispiel Möhren ernten, machen wir aus der Schale Chips für eine Vorspeise. Alles wird verarbeitet. Unsere Gäste müssen vorab reservieren, so wissen wir genau, wie viele Menüs wir jeden Abend servieren und haben wir keine Abfälle.   Ist Kopenhagen offener für solche Konzepte als andere Metropolen?   S.S.K : Grüne Konzepte finden ja gerade in vielen Städten Anklang. In Kopenhagen kommt dazu, dass der kulinarische Standard ziemlich hoch ist. Die Konkurrenz ist groß, und Dänen haben einen gewissen Anspruch an ihr Essen. Das weltbekannte Restaurant „Norma“ war in dieser Hinsicht ein Wegbereiter mit seiner streng nordischen Sterneküche. Das zieht natürlich Foodies in die Stadt, und die kommen dann auch zu uns. Das Interview erschien im stilwerk Magazin "Evergreen".

  • Die Acker-Ästhetik der Lady B

    So wird Carole Bamford gern in Kurzform genannt, wobei das B auch gut für „Bio“ stehen könnte. Denn die Britin hat mit ihrem Unternehmen Daylesford Organic ein wahres Öko-Imperium erschaffen – und Kompost, Kohl und Kartoffeln ordentlich mit Glamour aufgeladen. Carole Bamford in ihrer grünen Oase © Daylesford Organic Text: Lena Schindler   Es war kurz nach der Geburt ihrer Tochter Alice, ein heißer Sommertag im Jahr 1976, als Lady Carole Bamford beschloss, die Dinge von nun an anders zu machen. Das Baby schlief im Kinderwagen, sie kümmerte sich um die Rosen, die sie auf ihrer Farm in England zu züchten begonnen hatte, und bemerkte, dass sie auf einmal welk waren. Als ihr klar wurde, dass ein Unkrautbekämpfungsmittel, das auf den Bauernhöfen in der Nähe genutzt wurde, die Büsche angegriffen hatte, begann sie, Fragen zu stellen. „Diese Giftstoffe schützen vielleicht die Ernte, aber was machen sie mit unserer Umwelt? Und was mit unseren Kindern?“   Ein paar Wochen später traf Carole auf einer Agrarmesse einen Mann, der in einem winzigen Zelt für Bio-Lebensmittel warb. Stundenlang sprachen die beiden miteinander. Danach sagte sie zu ihrem Mann: „Wir müssen unsere Art der Landwirtschaft ändern.“ „Er hat mich angeschaut, als wäre ich bekloppt,“ erinnert sie sich heute an das Gespräch. „Er war überzeugt, dass die Farm dadurch den Bach runtergehen würde.“ Sir Anthony Bamford, mit dem sie seit fast 50 Jahren verheiratet ist und neben ihrer Tochter noch zwei Söhne hat, gilt als einer der reichsten Männer Großbritanniens, ist Unternehmer und Wirtschaftsmanager. Natürlich argumentierte er auf rein finanzieller Ebene. „Aber ich wusste intuitiv, dass es richtig war, ich habe es einfach gespürt“, so Carol Bamford. Drei Jahre dauere es, ihn davon zu überzeugen, den Hof auf nachhaltige Landwirtschaft umzustellen. Heute ist er derjenige, der darauf besteht, die Tiere homöopathisch zu behandeln oder den fleischfreien Montag mit seiner Frau zelebriert.   Aus Caroles ursprünglichem Wunsch, ihre Familie besser zu ernähren, wurde ein Modell traditioneller, verantwortungsvoller Landwirtschaft nach ökologischen Grundsätzen. Die Daylesford-Farm in Gloucestershire ist ein 1500 Hektar großes Bio-Anwesen, auf dem Herden seltener Schafe in einer idyllischen Parklandschaft weiden, seidig glänzende Kühe sich auf leuchtendem Stroh betten, im Mittelpunkt ein herrschaftliches Wohnhaus aus dem 18. Jahrhundert. Dazu gibt es eine Reihe umgebauter Scheunen, in denen Käse aus eigener Herstellung verkauft wird, selbst gebackenes Brot, Blaubeer-Kefir oder Ingwer-Kurkuma-Honig. Auch fast vergessene, neu kultivierte Sorten wie schwarze Rüben aus dem 16. Jahrhundert, besser bekannt als Black Spanish Round , findet man hier. Für ihre Schätze hat die 76-jährige Hofherrin immer auch eine Gourmet-Empfehlung parat, in diesem Fall: „Die sind köstlich mit Meersalz und einem Glas Prosecco! Es ist wichtig, nicht langweilig mit Bio-Produkten umzugehen, sonst verlieren die Leute die Lust. Spaß muss immer dabei sein.“ Die Daylesford-Farm mit Hofladen und Restaurant. © Daylesford   Das klappt bestens. Die Kundschaft will ihren Beitrag zum Schutz der Natur leisten, aber sie mag auch den Lebensstil, den sie mit dem Konzept verbindet, eine Portion Glamour und Luxus, das Sinnlich-Schöne, Produkte, die so hübsch (und natürlich umweltbewusst!) verpackt sind, dass sie sich im Geschenkkorb gut machen. Was auch Promis mit Landsitzen in der Region anzieht, die gern mal auf einen Dinkel-Apple-Pie hereinschneien. David Beckham postete schon Fotos vom herbstlichen Bauernhof-Ausflug mit Tochter Harper, die beide beim Ernten von Kohl und Äpfeln zeigten. Auch Kate Moss kommt gern auf eine Sprossen-Bowl in die Londoner Cafés. Und Premier Boris Johnson soll sich im vergangenen Jahr für umgerechnet 15.000 Euro Bio-Food aus dem Hause Daylesford in die Downing Street 10 geliefert haben lassen.    Dass es mal so kommen würde, damit hat Carole nicht gerechnet. „Vor 40 Jahren war es nicht einfach, einen Bio-Bauernhof zu führen“, sagt sie. Und schon gar nicht populär: „Ich wurde als seltsame Frau angesehen.“ Doch das Bewusstsein hat sich geändert. Nach und nach wuchs aus der Idee ein ganzes Imperium. Vier Läden gehören heute dazu, neben dem Farm-Shop drei weitere in London, alle mit angeschlossenem Café. Hier wird gesundes Soul Food aufgetischt – einfache Gerichte aus guten, naturbelassenen Zutaten: Trüffel-Tagliatelle mit Topinambur und Parmesan, Panna Cotta mit pochiertem Rhabarber, Ofen-Rote-Bete mit Nüssen. Eine Kochschule gibt es außerdem, Farm-Cottages für Feriengäste, den „The Wild Rabbit“-Pub und das „Haybarn“-Spa in den Cotswolds, eine Linie für Kleidung sowie natürliche Pflege- und Haushaltsprodukte. Obwohl sie einen Haufen Auszeichnungen bekommen hat, sieht sich Lady B nicht als Geschäftsfrau. Sie betrachtet Daylesford Organic eher als Resultat ihrer Leidenschaft. „Die Leute sagen: ,Du hast eine Marke geschaffen.‘ Ich sage: ,Oh Gott, habe ich?’ Ich habe einfach mit einer Idee angefangen!“   Auch wenn sie in Designer-Gummistiefeln ans Werk geht, ist ihre Message doch eine ähnliche wie die all jener, die in einer Selbstversorger-Kommune barfuß den Acker bestellen: hochwertige, gesunde Lebensmittel zu produzieren und dabei die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten. „Im Kern geht es um die Gesundheit des Bodens, um den gesamten Kreislauf. Was wir anbauen und wie wir es anbauen, ist, wozu wir werden – wir sind, was wir essen.“ Wie nachhaltig ihre Botschaft tatsächlich ist, zeigt sich auch an den Wurzeln, die ihre Idee in der eigenen Familie treibt: Tochter Alice mag im Kinderwagen geschlummert haben, als ihre Mutter ihren lebensverändernden Rosenbeet-Moment hatte, aber verschlafen hat sie trotzdem nicht, was diese ihr mitgegeben hat. Im Gegenteil. In Kalifornien betreibt sie heute selbst eine biologisch-dynamische Farm. Das Interview erschien im stilwerk Magazin "ReFraming".

  • Der Avantgarde-Koch, der seinen Geschmackssinn verlor

    Gibt es etwas Schlimmeres als seine wichtigste Begabung zu verlieren, wenn man gerade auf dem Weg ist, zu einem der profiliertesten Avantgarde-Köche der Welt zu werden? Die unglaubliche Geschichte des Amerikaners Grant Achatz Grant Achatz © Alinea Group Text: Nicole Niewiadomsky Bereits einige lebensverändernde Hürden musste Grant Achatz meistern, um dort anzukommen, wo er heute steht: an der Spitze der internationalen Sterneküche. Aktuell läuft es für den 43-Jährigen besser denn je. Spätestens seit seinem Auftritt in der preisgekrönten Netflix-Serie „Chef’s Table“ kennt man ihn: den verrückten Chefkoch, der seine Nachspeisen direkt auf der Tischdecke anrichtet. Von Regeln hält Achatz wenig – nicht umsonst ist der Sternekoch für die Fähigkeit bekannt, sich immer wieder mit gnadenloser Radikalität neu zu erfinden. Diese Eigenschaft spiegelt sich nicht nur in seinen kulinarischen Kreationen wieder: Im Sommer 2016 wurde auch das Interieur seines Restaurants „Alinea“ grundlegend überarbeitet. Nach einer umfassenden Renovierung herrscht hier nun ein elegantes, cleanes Ambiente.   Achatz’ Weg beginnt in der Küche eines Diners in St. Clair, einer Kleinstadt in Michigan, USA. Als Sohn des Besitzers darf er bereits sehr früh seinem Vater beim Zubereiten der Speisen über die Schulter schauen. Doch die bodenständige Küche erscheint ihm schon damals zu einfach. Es fehlt ihm die Leidenschaft und der besondere Twist. Nach seinem Abschluss am Culinary Institute of America 1994 und einigen Stationen in den Küchen bekannter Sterneköche, wie Charlie Trouter und Thomas Keller, bekommt er eine Stelle als Chefkoch im „Trio“, einem Restaurant in Chicago. Von den Kochkünsten des jungen Achatz überwältigt, macht ihm eines Abends einer der Gäste, Nick Kokonas, das Angebot, zusammen ein Restaurant zu eröffnen. Noch in derselben Nacht sagt Achatz zu. Von nun an geht alles ganz schnell – bereits am Eröffnungsabend im Mai 2005 sind die namhaftesten Restaurantkritiker der Welt zu Gast. Kurz danach der Anruf, der Achatz' lang ersehnten Kindheitstraum endlich Wirklichkeit werden lässt: Das „Alinea“ wird vom renommierten Gourmet Magazine zum besten Restaurant Amerikas gekürt.   Eine lebensverändernde Diagnose   Es folgt eine Ära scheinbar endloser Kreativität, in der eine Auszeichnung die nächste jagt. Der Dauererfolg wird einzig getrübt durch eine schleichend größer werdende, schmerzende Wunde auf Achatz’ Zunge, die dem Koch bereits seit den Anfängen von „Alinea“ zu schaffen macht. Die Beschwerden nehmen zu, aber der Workoholic drängt sie zur Seite. „Ich konnte irgendwann kaum noch essen, trinken oder sprechen. Aber ich dachte mir: Du bist gerade dabei, deinen Traum zu verwirklichen. Also muss das erst einmal warten“, erinnert sich Achatz. Doch im Sommer 2007 sind die Schmerzen so stark, dass ein Arztbesuch unvermeidlich wird. Zwei Tage später die Diagnose, die das Leben des Sternekochs über Nacht auf den Kopf stellt: Zungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Die Heilungschancen sind gering, die scheinbar einzige Hoffnung ist eine aufwendige Operation, bei der drei Viertel seiner Zunge entfernt werden müssten – was unweigerlich das Ende seiner jungen Karriere bedeuten würde.   Achatz entscheidet deshalb, die dringende OP-Empfehlung seines Arztes zu ignorieren und fasst stattdessen den radikalen Entschluss, sich seinem Schicksal zu fügen. Bis eine ungeahnte Wende alles ändert. Durch eine Pressemitteilung hat die University of Chicago von Achatz’ Krankheit erfahren. Die Ärzte schlagen ein medizinisches Experiment vor: eine besondere Chemotherapie mit einer geschätzten Heilungschance von 70 Prozent. Weil er nichts zu verlieren hat, lässt sich der Starkoch auf den Behandlungsversuch ein – ohne jedoch im Restaurant zurückzustecken.   Es folgt ein regelrechter Marathon. Früh morgens beginnt die erste Chemotherapie, danach die Vorbereitungen im „Alinea“. Nachmittags geht Achatz zur zweiten Behandlungssitzung, um abends pünktlich zur regulären Schicht im Lokal anzutreten. Er ist der vollkommenen Erschöpfung nahe. Außerdem führt ein Thema im Team zunehmend zu Konflikten: Immer wieder beschuldigt Achatz seine Köche, die Speisen nicht ausreichend gewürzt zu haben. Doch nach zahlreichen Diskussionen wird ihm die schockierende Wahrheit bewusst: Das eigentliche Problem liegt bei ihm selbst. Die Ärzte bestätigen seine Befürchtung. Als Nebenwirkung der Chemotherapie hat der Sternekoch seinen Geschmackssinn verloren. Gleichzeitig überbringen sie ihm eine gute Nachricht: Der Krebs sei geheilt und Achatz offiziell genesen.   Kochen ohne Geschmackssinn   Die Ironie könnte nicht perfekter nicht sein. Was als steile Karriere begann, sieht plötzlich nach einem abrupten Ende aus. Doch Resignieren ist für Achatz keine Option: „Ich hatte das Gefühl, den Menschen zeigen zu müssen, dass wir trotz allem immer noch innovativ sein können. Zum ersten Mal wurde mir klar, dass ich auch ohne meinen Geschmackssinn Chefkoch sein kann, weil ich das alles im Kopf habe.“ So beginnt er, seine vielen Konzepte und Ideen zu Papier zu bringen. Nach und nach entwickeln sich seine oft wilden und chaotischen Zeichnungen zu einem System, mit dessen Hilfe er mit seinen Mitarbeitern kommunizieren kann. Die vielen Skizzen bilden in seiner „geschmacklosen Phase“ die Basis für alle neuen Kreationen des Restaurants. Es folgt eine unerwartete Hochphase – der Run auf das „Alinea“ ist größer denn je.   Ein paar Wochen später macht Achatz erneut eine alles verändernde Erfahrung: Beim Frühstück gibt er aus Gewohnheit einen Würfel Zucker in den Kaffee. Erstaunt stellt er fest, dass seine Geschmacksnerven auf die Süße reagieren: „Ich dachte mir: Wow, ist das süß. Ich musste die Tasse wegstellen, weil ich es kaum glauben konnte. Nach einem erneuten Schluck war mir klar – mein Geschmackssinn ist wieder da.“ In den folgenden Wochen kommen schubweise weitere Geschmacksempfindungen zurück: Salzigkeit, Säure, Bitterkeit. Die sukzessive Wiederkehr seines Geschmackssinnes erlebt Achatz wie den Beginn eines neuen kulinarischen Lebens: „Ich durfte diese Erfahrung im Alter von 33 Jahren nochmals von vorne machen. Für mich war dies eine Offenbarung, die meine gesamte Welt als Koch verändert hat.“   Achatz betrachtet die unerwartete Wiederkehr seines Geschmackssinns als Zeichen und als zweite Chance. So bereitet das wundervolle Ereignis den Weg für viele der innovativsten und kreativsten Speisen im „Alinea“. Darunter ein essbarer, mit Helium gefüllter Ballon aus Zuckermasse mit Apfelgeschmack – eines der bekanntesten Signature Dishes des Restaurants. Heute bietet der gefeierte Koch in seinem Drei-Sterne-Restaurant seinen Gästen ein unvergleichliches und vor allem unvorhersehbares Erlebnis, das alle Sinne triggert. Besonders die dargebotenen Kombinationen zum Riechen und Schmecken begeistern die Gourmets. Denn die Techniken der Molekularküche erlauben es Achatz, einzelne Aromen zu destillieren und gezielt ins Dinner-Erlebnis einzuflechten. Ganz nach dem Motto „Expect the unexpected“ ist hier nichts so, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Dieses wundersame Überraschungselement zieht sich wie ein roter Faden durch den Besuch im Restaurant und auch durch Achatz‘ Leben.   Sein persönliches Wunder hat der Sternekoch in dem Buch „Life, on the Line: A Chef's Story of Chasing Greatness, Facing Death, and Redefining the Way We Eat“ dokumentiert. © Alinea Group

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